Der Reaktorunfäll in Tschernobyl, hohe Baukosten und das ungelösten Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle haben die Atomkraft fast zum Erliegen gebracht. Doch in Zeiten der Klimaerwärmung hat Atomenergie bei vielen wieder Zustimmung gefunden. Denn bei der Stromerzeugung mit Atomkraft entsteht kein klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Nachdem man die Kernspaltung nicht nur für die Atombombe, sondern auch als Energiequelle zur Stromerzeugung entdeckt hatte, galt die Atomkraft als Energie der Zukunft: Sogar Autos sollten mit atomarem Antrieb fahren. Doch nach dem anfänglichen Boom stagniert die Zahl der Atomkraftwerke weltweit.
 |
Riesige Dampfturbinen wandeln die durch Kernspaltung erzeugte Hitze in Strom.
Foto: e.on |
Fast abgeschrieben Derzeit gibt es weltweit 442 Atomkraftwerke, die mit einer Leistung von 380 Gigawatt rund sechs Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken. Die Kraftwerke befinden sich überwiegend in den USA (103 Reaktor-Blöcke) und Europa (203 Reaktor-Blöcke). Dabei haben die USA seit den 70er Jahren kein neues Kraftwerk mehr in Betrieb genommen, und auch in Europa hat man sich überwiegend von der Kernenergie abgewandt: In Deutschland, Schweden, Belgien, Italien und den Niederlanden ist der Ausstieg bereits beschlossene Sache.
Dass Atomkraft heute mit sechs Prozent einen eher geringen Anteil an der Energieerzeugung stellt, hätte Mitte des 20. Jahrhunderts sicherlich niemand gedacht. Zu groß war das Vertrauen in die Technik. Schließlich klingt das Prinzip viel versprechend: Zur Energieerzeugung findet in einem Atomkraftwerk eine Kernspaltung statt. Dafür dienen die Atome von Uran, das in Mineralien der Erdkruste vorkommt. Das Uran wird in Metallbehälter, so genannte Brennstäbe, gepresst, die bei der Spaltung der Atomkerne extrem heiß werden. Die Hitze nutzt man wie in gewöhnlichen Kraftwerken, um Strom zu erzeugen. Der große Vorteil der Atomkraftwerke: Sie geben weder CO2 noch andere Schadstoffe in die Luft. Zudem liefern Atomkraftwerke zu jeder Zeit eine konstante Leistung – was für die Stromversorgung sehr wichtig ist.
Schlechtes Image Dennoch hat Atomkraft bei Umweltschützern ein eher schlechtes Image. Bei der Kernspaltung entsteht eine extrem energiereiche Strahlung, die so genannte radioaktive Strahlung. Eine starke radioaktive Strahlung kann für den Menschen tödlich sein, da sie Gewebezellen im Körper verändert. Damit die Strahlung den Menschen nicht erreicht, ist der Reaktorraum des Kernkraftwerks, in dem die Kernspaltung abläuft, durch einen meterdicken Mantel aus Stahl und Beton geschützt.
Die Brennstäbe müssen außerdem stets gekühlt werden, damit sie sich nicht zu stark erhitzen. Gerät die Kernspaltung jedoch außer Kontrolle – zum Beispiel durch ein technisches Problem mit der Kühlung, kann es im Reaktor so heiß werden, dass die radioaktiven Brennstäbe schmelzen und sich durch die Hülle fressen. Man spricht dann von einer Kernschmelze. Im schlimmsten anzunehmenden Fall – auch als GAU (größter anzunehmender Unfall) bezeichnet - gelangt radioaktives Material in die Umwelt: Dann können nicht nur die direkte Umgebung, sondern riesige Gebiete über Jahrtausende radioaktiv versucht werden.