Wasserkraft hat unter den erneuerbaren Energien den mit Abstand größten Anteil an der weltweiten Stromerzeugung. Dabei liefern Riesen-Staudämme Energie ohne Abgase – ein großer Vorteil. Dennoch sind sie bei Umweltschützern umstritten. Denn viele Staudämme verursachen enorme Probleme für Menschen und Natur in den betroffenen Regionen. Riesige Stauseen sind weltweit enorme Energiequellen: Die Wassermassen liefern eine Leistung von rund 750 Gigawatt. Damit erzeugt Wasserkraft etwa so viel Strom wie rund 70 Atomkraftwerke oder 200 Kohlekraftwerke. Weltweit macht das einen Anteil von 18 Prozent an der Stromerzeugung aus. Und der Anteil soll weiter steigen: Denn Wasserkraft trägt nicht zur Erderwärmung bei; durch die Stromerzeugung mit Wasser entstehen keine klimaschädlichen Abgase. Zudem ist Wasser im Gegensatz zu Kohle, Öl oder Gas eine unerschöpfliche Energiequelle.
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Der Staudamm Ottensee in Österreich ist im Vergleich zu Chinas Mega-Projekt winzig
Foto: EVN AG |
China führend Besonders die Chinesen bauen angetrieben durch den enorm steigenden Energiebedarf ihres Landes die Wasserkraft aus: Das bekannteste Projekt ist der Drei-Schluchten-Damm. Der Damm staut Chinas längsten Fluss, den Jangtze, auf einer Länge von 660 Kilometern zu einem riesigen See. Der Superstausee soll sicherstellen, dass zu jedem Zeitpunkt genug Wasser für die Stromerzeugung zur Verfügung steht und gleichzeitig die Regionen flussabwärts vor Hochwasser geschützt ist. 2003 wurde der Damm fertig gestellt.
Erste Teile des Damms werden bereits zur Stromerzeugung genutzt und bis zum Jahr 2009 soll der See vollständig geflutet sein. Dann wird das Wasser durch die Fallröhren im Damm rauschen und – ähnlich wie der Wind bei der Windmühle – die Schaufelräder von 26 gigantischen Turbinen in Bewegung setzen. Die Turbinen erzeugen über Generatoren eine Leistung von 18 000 Megawatt. Das genügt, um einen Kleinstaat mit Strom zu versorgen.
Massiver Eingriff in die Natur Doch wie zahlreiche andere Riesen-Staudämme steht das Projekt trotz der klimafreundlichen Stromerzeugung in der Kritik: Schließlich bedeuten Damm und Stausee einen massiven Eingriff in die Beschaffenheit des Flusses und der angrenzenden Regionen. So muss die am betreffenden Flussufer angesiedelte Bevölkerung, insgesamt rund 10 000 Dörfer, dem riesigen Stausee weichen. Dabei gehen den Bauern große Flächen des besonders fruchtbaren Ackerlands entlang des Jangtze verloren.
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Riesige Turbinen gewinnnen aus den rauschenden Wassermassen Strom |
Am Staudamm lagern sich außerdem Stein, Geröll und Schlamm ab. Dadurch ergeben sich nicht nur Probleme am Damm: Diese so genannten Sedimente fehlen dem Fluss, wenn er den Staudamm passiert hat. Die Wassermassen werden nicht mehr vom Sediment gebremst und waschen durch die höhere Fließgeschwindigkeit im weiteren Flussverlauf die Uferregionen aus, wodurch viele Fisch- und Pflanzenarten bedroht werden. Für die Bauern und Fischer entlang des Flusses kann das den Verlust der Existenz bedeuten.
Extrem teuer Zudem sei die Stromerzeugung angesichts der Baukosten des Damms von mindestens 30 Milliarden Dollar und weiteren Kosten für die Umsiedlung der Bevölkerung alles andere als billig, argumentieren Gegner des Damm-Projekts. Und sollte der Staudamm durch ein Erdbeben brechen, wären die Folgen katastrophal: Rund 100 Millionen Mensch leben in den Uferregionen hinter dem Stausee. Sie alle wären von den anstürmenden Wassermassen bedroht.