Hintergrund Erdgas: Steigende Nachfrage von allen Seiten Drucken E-Mail

 
Erdgas gehört zu den fossilen Energieträgern. Wie Öl und Kohle besteht es aus Urzeitlichen Pflanzen. Wie bei allen fossilen Energien ensteht bei der Energie-Gewinnung mittels Erdgas klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Dennoch befürworten auch Umweltschützer den verstärkten Einsatz von Erdgas, um Strom und Treibstoffe zu erzeugen Denn Erdgas ist billig und sehr schadstoffarm.

Erdgas deckt etwa ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs. Damit ist es nach Öl und Kohle die drittgrößte Energiequelle für uns Menschen. In Zukunft soll Erdgas noch wichtiger werden, sagen Experten voraus. Der Energie-Konzern BP vermutet, dass bis 2030 mehr Energie aus Erdgas als aus Kohle gewonnen wird. Denn Erdgas ist zwar nicht ganz so billig wie Kohle, dafür aber bei weitem nicht so schmutzig. In einer Studie des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt Energie sind sich die Wissenschaftler sicher, dass Erdgas der mit Abstand klimafreundlichste Energieträger sei. 

Billig und sauber 

Zudem entstehen bei der Verbrennung von Erdgas kaum Gifte wie Schwefel oder Stickstoff, sowie weder Staub noch Ruß. Auch der Umweltschutzverband Greenpeace sieht in Erdgas eine gute Alternative zu den weiteren fossilen Energieträgern Kohle und Öl. Ein modernes Gaskraftwerk zur Stromerzeugung bläst in einer Stunde pro Kilowatt nur 375 Gramm des CO2-Gases in die Luft, Braunkohlekraftwerke kommen auf über 800 Gramm, belegt eine Studie der Umweltschützer.

Gas findet sich häufig zusammen mit Öl wie
hier in der Nordsee. In Zukunft könnte Gas
noch wichtiger als Öl werden.
Foto: E.ON


Im Vergleich zu Öl ist Erdgas nicht nur sauberer sondern auch billiger: Bei gleicher Energiemenge bezahlt man auf dem Weltmarkt für Erdgas rund ein Drittel weniger als für Öl. Ob die Gaspreise so bleiben, ist jedoch ungewiss. Ähnlich wie beim Erdöl gibt es auch beim Gas Monopole. Alleine in Russland, Iran und Katar befinden sich über die Hälfte der weltweiten Erdgasreserven.

Zumindest in Europa sind die großen Industrieländer auf Gasimporte angewiesen: Deutschland ist der weltweit drittgrößte Gas-Verbraucher und muss dabei einen Großteil des Gases aus anderen Ländern beziehen; die heimischen Erdgasfelder reichen bei weitem nicht aus. Laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stammten 2005 rund 90 Prozent des Gases aus dem Ausland. Europa bezieht das Gas hauptsächlich aus Russland, das weltweit der mit Abstand größte Gasexporteur ist. Dreht Russland den Gashahn zu, sei es technisch oder politisch begründet, könnten die Gaspreise hierzulande in die Höhe schnellen.

Knappes Gut

Ebenfalls für steigende Preise werden langfristig die begrenzten Erdgas-Reserven sorgen. Erdgas entsteht auf ähnliche Weise wie Erdöl: Es bildet sich aus in den Ozeanen abgestorbenen Kleinstlebewesen wie Algen, die durch den fehlenden Sauerstoff nicht vollständig verwesen können. So entsteht Faulschlamm, der mit der Zeit durch Ablagerungen wie Sand oder Tiefseeschlamm überdeckt und eingeschlossen wird. Unter dem extrem hohen Druck der Ozeane und den hohen Temperaturen im Erdinneren bildet sich über einen Zeitraum von Jahrtausenden das Erdgas.

Die Hälfte der bisher entdeckten Weltreserven seien im Jahre 2022 verbraucht sein, so die Experten vom BGR. Die nachgewiesenen Welt-Erdgasreserven würden demnach, einen gleich bleibenden Verbrauch vorausgesetzt, nicht bis über dieses Jahrhundert hinaus reichen. Immerhin rechnen die Experten damit, dass Neufunde und verbesserte Fördertechniken die Reserven noch deutlich vergrößern könnten. Im Vergleich zu Kohle, die noch bis zu 100 Jahre reichen könnte, sind die Erdgasvorkommen aber sehr gering.

Mit Erdgas befeuerte Kraftwerke sollen die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzten, wünschen viele Umweltschutzgruppen. Und auch daheim ist das saubere Gas gefragt. Immer mehr Haushalten haben die schmutziger Öl-Heizungen auf Gas umgerüstet. Nicht zuletzt der Straßenverkehr würde vom schadstoffarmen Erdgas profitieren. Doch obwohl sich Erdgas recht einfach verflüssigen lässt und somit auch als Treibstoff dient, kommen Erdgasautos nur langsam in Mode. Zwar steigt die Zahl der Erdgas-Autos laut dem Branchenverband Erdgasfahrzeug um etwa 40 Prozent pro Jahr. Doch die gesamte Anzahl ist im Vergleich zu Benzin- oder Diesel-Fahrzeugen noch sehr gering: 2006 waren 55.000 Erdgas Fahrzeuge zugelassen; das macht gerade mal ein Tausendstel der insgesamt rund 55 Millionen Fahrzeuge in Deutschland aus.

Ausblick

Durch den Emissionshandel, der die Industrie zu Zahlungen beim CO2-Ausstoß verpflichtet, wird Erdgas als Energieträger immer wichtiger. Umweltschützer sehen in Erdgas die risikofreie Alternative zur Atomenergie und sprechen sich für einen vermehrten Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung aus. Doch die Reserven sind knapp und müssen aus Russland importiert werden. Als Treibstoff wird sich Gas in Zukunft nur durchsetzen, wenn die Fahrzeug-Hersteller genügend gasbetriebene Fahrzeuge im Programm haben. Eine Umrüstung des Benzin- oder Diesel-Autos auf Gas ist zwar ohne weiteres möglich, schlägt aber mit hohen Kosten von 2000 bis 3000 Euro zu Buche. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Biosprit, der ebenfalls umweltfreundlich ist und dazu in Deutschland produziert werden kann.

Klaus Wiesen 

 
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